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Staatssekretär Scholz zur Zentralklinik: Baukosten explodieren

Gemeinsame Sitzung der Räte Emden und Landkreis Aurich zur Zentralklinik

Emden / Aurich / Norden (LB). Neue Ideen, neue Konzepte oder alter Wein in neuen Schläuchen? Zum Thema «Zukunftskonzept Kliniken Aurich-Emden-Norden» präsentierte die Trägergesellschaft der Krankenhäuser vor den über 100 Politikern und Gästen aus Emden und dem Landkreis Aurich von allem ein wenig. Die beiden Parlamente aus Stadt und Kreis hatten sich in Emdens Johannes a Lasco Bibliothek zu einer öffentlichen Sitzung zusammengefunden, um sich über den Stand der konzeptionellen Planung Zentralklinik unterrichten zu lassen.

 

Staatssekretär Heiger Scholz: Fördermittel vom Land

 

Die vielleicht wichtigste Aussage des Abends kam von Gastredner Staatssekretär Heiger Scholz zum Thema Fördermittel: Das Land würde ein Projekt Zentralklinik grundsätzlich unterstützen, sagte er. In welche Höhe könne er allerdings nicht sagen. Klar sei auch, dass die Baukosten explodierten – mit 10 bis 25 Prozent jährlich. Scholz: „Für 250 Mio. Euro können sie vielleicht noch eine Klinik bauen, mit der lässt sich dann aber nichts anfangen.“

 

Claus Eppmann: Keine 3D-Animation der Zentralklinik

 

Moderiert wurde die Veranstaltung vom Geschäftsführer der Kliniken-Trägergesellschaft, Claus Eppmann. Er führte professionell durch die anstehenden Informationspunkte und machte gleich zu Anfang klar: „Wenn sie eine 3D-Animation mit Gang durch eine mögliche Zentralklinik  erwarten, muss ich sie enttäuschen. Das können wir nicht leisten.“ Aber man hätte, so zog er zum Schluss Bilanz, die drei Aufgabenstellungen der Parlamente aus der Sitzung vom 28. Juni 2018 sehr ordentlich erfüllt.

Dabei geht es im Wesentlichen um die Verkehrsanbindung, um die Nachnutzung der vorhandenen Klinikgebäude, die Fördermöglichkeiten sowie um die Notfallversorgung. Außerdem wurden die Ergebnisse der Bürgerdialoge vorgestellt. Aussagen zum medizinischen Konzept der Klinik gab es nicht.

 

Notfallversorgung nach Braunschweiger Modell

 

Das größte Interesse der Bevölkerung liegt sicher auf dem Punkt Notfallversorgung. Dr. Astrid Gesang machte dazu deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben eine Neugestaltung der Notfallversorgung notwendig mache, die – unabhängig von der Zentralklinik - voraussichtlich ab 2020 in allen drei Häusern umgesetzt würde.

Danach gibt es eine sogenannte «Ein-Tresen-Lösung». Hier würde nach dem Triage-Modell von lebensbedrohlich bis banal entschieden, ob eine stationäre Aufnahme notwendig sei oder die Weiterbehandlung in einer «Notfall-Triage-Praxis» oder einer «ärztlichen Bereitschaftspraxis zu den üblichen Öffnungszeiten» mit Weiterbehandlung durch den Hausarzt erfolgen könne.

Die Einführung dieses Notfallversorgungskonzeptes erfolge auf der Basis des sogenannten «Braunschweiger Modells» und würde von der Universität Oldenburg in der Pilotphase wissenschaftlich begleitet.

Laut einem Bericht der «regionalBraunschweig.de» funktioniert das so: „Patienten der ESI-Stufen 1 bis 3 (ernsthafte Erkrankung) werden in der Zentralen-Not-Aufnahme (ZNA) weiterbehandelt. Fußläufige selbsteinweisende Patienten mit Einstufung nach ESI 4 und 5 werden in die Notfall-Triage-Praxis weitergeleitet. Dort erfolgt die Diagnostik und Behandlung nach Hausarztstandard. Zur Verfügung stehen neben den üblichen Verfahren auch EKG, Ultraschall und Basislabor. Die Verordnung von Arzneimitteln ist mit Rezepten über Arzneimittel in kleiner Menge möglich. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen können nicht ausgestellt werden.“

Nach dem eventuellen Bau einer Zentralklinik solle sich an dem Prinzip nichts ändern. Eine «Notfallambulanz» solle an den Alt-Standorten erhalten bleiben. Dafür seien jeweils ein Facharzt, medizinisches Fachpersonal sowie EKG, Ultraschall, Röntgen und ein Basislabor vorgesehen. Bei einer Entscheidung zur stationären Aufnahme stünde ein Fahrzeug für den Transport zur Zentralklinik zur Verfügung. Die Kosten für diese Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung lägen bei etwa 0,8 Mio. Euro jährlich, die von der Zentralklinik übernommen würden.

 

Verkehrsanbindung soll durch Entlastung verbessert werden

 

Hinsichtlich des Themas Verkehr sei die Region mit dringlichem Bedarf im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Bis etwa 2030 sollen neue Straßen gebaut werden, die die fraglichen Anbindungen nach Georgsheil um etwa 2/3 des heutigen Verkehrsaufkommens entlasten sollen. Der öffentliche Nahverkehr würde aus allen Richtungen auf stündliche oder halbstündliche Taktung eingerichtet. So sei die Erreichbarkeit der Zentralklinik sichergestellt.

 

Heutige Krankenhäuser: Zentrale Lage gut für weitere Nutzung

 

Besondere Aufmerksamkeit widmete in seinem Vortrag Stadtbaurat Andreas Docter der Nachnutzung der drei Klinikkomplexe. Grundsätzlich lägen alle drei sehr zentral und wären damit für eine Nachnutzung bestens geeignet. Man könne sich vorstellen, bestimmte medizinische Einrichtungen in den Gebäuden zu belassen und damit etwa 25 Prozent der bisherigen Belegung abzudecken. Der Rest der Flächen könnte für Arztpraxen, als Wohnungen und als Büros genutzt werden. In Emden speziell müsste allerdings der größte Teil der Gebäude abgerissen werden. Dann könne man die Fläche völlig neu beplanen. Innerstädtische Transformationen dieser Art seien echte Wirtschaftsförderung, so Andreas Docter.