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GfE fordert sofortige Wiedereröffnung der Kinderstation in der Emder Klinik

Krankenhauspolitik auf dem Rücken der Kinder / Massive Kritik an OB: Sieht so „VerEmderung aus?“

Emden/Aurich. „Die Kinderklinik im Emder Krankenhaus soll unverzüglich wieder geöffnet werden.“ Dies fordert die GfE in einem nunmehr bereits zweiten Schreiben an den Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff. „Sie als Oberbürgermeister sind in der Pflicht und Verantwortung den Emder Bürgern, bzw. den Kindern und Jugendlichen gegenüber, die wohnortnahe medizinische Versorgung wieder einzurichten,“ schreibt die GfE.

 

Die GfE hatte bereits am 8. Mai in einem ersten Brief an den OB die Wiederinbetriebnahme der Kinderstation verlangt. „Bedauerlicherweise wurde unser Antrag bis heute von Ihnen ignoriert und wir haben weder eine Reaktion noch eine Antwort von Ihnen erhalten,“ kritisiert Rainer Mettin (GfE) OB Kruithoff. [ Aktualisiert: 13:55 - Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat zwischenzeitlich in einem Telefonat mit der Redaktion versichert, der erste Brief der GfE sei korrekt beantwortet und die Antwort sei im üblichen Verfahren an alle Fraktionsvorsitzenden des Rates übermittelt worden. Die Redaktion hat wiederum die GfE um Stellungnahme gebeten. ]

 

Es könne nicht sein, so Mettin weiter,  dass für nur einige wenige Corona-Patienten eine ganze Abteilung, in diesem Fall die Emder Kinderklinik, geschlossen worden sei. Außerdem sollten weder Corona (gerade in dieser Hinsicht) noch ein Ärztemangel als Begründung dafür herhalten. 

 

Mettin: Wir müssen heute davon ausgehen, dass uns Corona noch über eine längere Zeit begleiten und vermutlich in Infektionswellen auftreten wird. Dafür sollte im Klinikum an einer dauerhaften Lösung gearbeitet werden, die es ermöglicht, Patienten mit  hochansteckenden Erkrankungen wie dem Coronavirus sicher zu versorgen. Dies darf aber nicht auf Kosten der Kinderstation geschehen!“

 

Dafür gebe es andere abgeschlossene Räumlichkeiten. Mettin: „Man könnte zum Beispiel den auf der gleiche Etage gelegenen, schon seit Anfang 2019 stillgelegten Teil der  Gynäkologie nutzen. Insofern war es aus unserer Sicht ohnehin völlig unnötig, die Kinderstation zu schließen. Die Emder Kinderklinik hat weit über die ostfriesischen Grenzen hinaus einen sehr guten Ruf, der durch die Schließung ohne Not ganz sicher beschädigt wurde.“

 

Alle vorhandenen Abteilungen in den jetzigen Krankenhäusern sollten bis zur Eröffnung einer Zentralklinik erhalten bleiben. Dies habe Claus Eppmann als Geschäftsführer der Trägergesellschaft auf vielen Veranstaltungen ausdrücklich betont. Bislang stehe noch die Frage der Zuschüsse für die ZK im Raum, so die GfE, aber die Kinderklinik werde einfach schon geschlossen?!

 

Ebenfalls ersetze ein MVZ keine Fachabteilung. Das zeige jetzt bereits die negative Entwicklung der Geburtenrate in Emden. Mettin: „Das kann die GfE so nicht hinnehmen!“ Es könne doch nicht in Ihrem Sinne sein, so heißt es in Richtung OB Kruithoff, dass Gebärende zur Geburt ihres Kindes andere Städte aufsuchen müssen, weil hier die Kinderklinik geschlossen sei.

 

Klartext von der GfE: „Aus unserer Sicht ist es ungeheuerlich eine Krankenhauspolitik auf dem Rücken der Schwächsten, nämlich unserer Kinder, zu betreiben. Wie in dem ersten Antrag bereits beschrieben, müssen Eltern mit ihren Kindern in andere Städte ausweichen – sieht so eine „VerEmderung“ aus?“

 

Mit Blick auf die Finanzen macht die GfE darauf aufmerksam, dass zur Sicherstellung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen inzwischen von mehreren Ministerpräsidenten/innen das Abschaffen der Fallpauschalen gefordert werde. Ein Antrag diesbezüglich werde am 18. September im Bundesrat eingebracht. Auch in der deutschen Ärztezeitung usw. plädierten die Ärzte für den Wegfall des DRG-Fallpauschalen-Systems.