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Statue an der Knock: Der Große Kurfürst - Guter Herrscher oder böser Schurke?

Emden/Berlin. War der Große Kurfürst, dessen Statue an der Knock steht, ein guter Herrscher oder ein böser Schurke? Dazu tobt in den sozialen Medien aktuell eine „robuste“ Diskussion verbunden mit der Frage, ob die Statue des Großen Kurfürsten von Brandenburg abgebaut werden soll. 

 

Schnell sind Vor-Urteile gefällt - insbesondere dann, wenn man die Frage der „political correctness“ seiner Herrschaft allein aus der Sicht des heutigen Weltbilds beantwortet.

 

Der Großfürst war ganz sicher kein Engel, aber ganz sicher auch nicht nur Schurke. Oder gar ein „großer Verbrecher“, wie jemand auf Facebook schrieb. Mit einem solchen Urteil wird man dem Mann aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, dem Weltbild dieser Zeit und damit der Geschichte nicht gerecht.

 

Es kann nie schaden, etwas Geschichtswissen zu einem solchen Thema zusammenzutragen. Der folgende Inhalt basiert auf diversen Quellen, u.a. Wiki, Berliner Zeitung, Planet Wissen uä.

 

Zusammenfassung

 

Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg-Preußen, regierte von 1640 bis 1688. Er legte den Grundstein für den Aufstieg Preußens zu einer der führenden Mächte Europas.

Der Kurfürst gilt als einer der Väter der Religionsfreiheit und als Reformer der Landwirtschaft und der Industrie.

1683 ließ er in Emden die brandenburgische Admiralität gründen und machte die Stadt und ihren Hafen zum Stützpunkt einer Handelskompanie für den Überseehandel. Die Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie war unter anderem am Sklavenhandel beteiligt und erwirtschaftete dabei große Gewinne.

 

Details zum historischen Kontext:

 

Der Dreißigjährige Krieg  (1618 bis 1648) hatte Europa zermürbt. Schweden ist Großmacht. Brandenburg ist bankrott. In dieser Zeit tritt  der Große Kurfürst 1640 seine Regentschaft an.

 

Die europäischen Entdeckungsfahrten des 16. und frühen 17. Jahrhundert hatten dazu geführt, dass sich durch die Vergrößerung der „bekannten Welt“ auch die politischen Horizonte und Ambitionen der europäischen Herrscher erweiterten. In den ausbrechenden Rivalitäts- und Konkurrenzkämpfen der europäischen Mächte um die neu entdeckten Territorien spielten dabei die Schifffahrt, der Seehandel, der Besitz von Kriegsflotten und von Kolonien eine entscheidende Rolle.

 

Auch Brandenburg-Preußen unter Friedrich Wilhelm beanspruchte im Konzert der großen Mächte einen neuen Platz. Vorbild für die Brandenburger war dabei die kleine Republik der Niederlande, die durch den Überseehandel und eine große Handelsflotte zu einer dominierenden Handels- und Wirtschaftsmacht aufgestiegen waren.

 

Am 7. März 1682 verkündete der Fürst mit dem „Edict wegen Octroyierung der aufzurichtenden Handelscompagnie auf denen Küsten von Guinea“ die Gründung der „Handelscompagnie auf denen Küsten von Guinea“

 

Die Gesellschaft wurde mit einem Grundkapital von 50.000 Reichstalern ausgestattet, wovon 48.000 Taler gezeichnet wurden. Die Gesellschaft erhielt für 30 Jahre das brandenburgische Monopol für den Handel in Westafrika mit Pfeffer, Elfenbein, Gold und Sklaven sowie das Recht, eigene Stützpunkte anzulegen. Die Besatzung und die Ausrüstung dafür stellte der Kurfürst zur Verfügung. 

 

Die europäischen Kolonialmächte trieben Millionen von Schwarzafrikanern in die Sklaverei, um sie auf die Plantagen in Brasilien, in der Karibik und in den Südstaaten der USA zu verkaufen.

 

Rund 400 Jahre währte dieser Sklaventransfer. Besonders im 17. Jahrhundert nahm die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften für die Zuckerrohr-, Baumwoll- und Tabakplantagen auf dem amerikanischen Kontinent große Ausmaße an.

 

Aber auch in Schwarzafrika gab es lange vor der Entdeckung Amerikas schon die Sklaverei. Da in Afrika Eigentum im traditionellen Verständnis nicht in erster Linie Kontrolle von Land, sondern Kontrolle von Menschen bedeutet, lag es nahe, Menschen zu vertauschen oder zu verkaufen.

 

Erst im 18. Jahrhundert - im Zeitalter der Aufklärung - veränderte sich die Stimmung in Europa und erste Proteste gegen die Sklaverei wurden laut. 

 

Eine völlig andere Rolle nimmt Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, hier ein: Er gilt - wenngleich auch aus wirtschaftlichen Gründen motiviert - als einer der Väter der Religionsfreiheit in Deutschland, dank des Toleranzedikts von 1664, in dem er lutherischen Pastoren die Hetze auf ihre reformierten Kollegen untersagte, der Aufnahme von 40 jüdischen Familien, die aus Wien 1671 vertrieben worden waren, und der von Ludwig XIV. bedrängten französischen Hugenotten mit dem Potsdamer Edikt von 1685. 

 

Außerdem galt er als Reformer der Landwirtschaft und der Hofkultur, des Handwerks und der Industrie in Brandenburg und Berlin, auch des Militärs.

 

Die Rolle Emdens

 

Da die Ostsee im Winter vier Monate nicht schiffbar war, schmiedete der Kurfürst Pläne für den Erwerb eines Hochseehafens an der Nordsee. Er wählte dafür die Stadt Emden, da der dortige Hafen zur damaligen Zeit als einer der besten Europas galt. 

 

Zu der Zeit befand sich die Fürstin von Ostfriesland in einem Konflikt mit den ostfriesischen Ständen. Dies ausnutzend, einigte sich der Kurfürst mit den Ständen aus Emden, die an einer Schwächung der Fürstin in Ostfriesland interessiert waren. 

 

Unter dem Vorwand eines kaiserlichen Auftrags zum Schutze des Landes ließ der Kurfürst im Einvernehmen mit Dänemark am 26. Oktober 1682 300 brandenburgische Soldaten in Glückstadt einschiffen. Am 6. November erfolgte die Einnahme der Burg Greetsiel, nachdem die Stände in Emden dies gebilligt hatten und die nur 16 Mann starke Garnison im Einvernehmen kapitulierte. 

 

Ein halbes Jahr später, am 22. April 1683, konnten die Brandenburger einen Handels- und Schifffahrtsvertrag mit den Ständen Emdens aushandeln. Fortan wurde Emden der Stammsitz der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie.

 

Der (Sklaven-)Handel hat also durchaus zur Entwicklung der Stadt Emden nicht unerheblich beigetragen.