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Oberbürgermeister Tim Kruithoff zum 76-jährigen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

"Ihr seid nicht verantwortlich für das was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht – dafür schon.“ – Max Mannheimer 1920 – 2016, Überlebender des Holocaust

Emden. Heute vor 76 Jahren, am 27. Januar 1945, wurden die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat zu diesem Tag eine Gedenkschrift veröffentlicht, die das Ostfriesen-Journal hier im Wortlaut veröffentlicht:

 

« Leider erlaubt die Pandemie in diesem Jahr keine öffentliche Gedenkveranstaltung. Umso mehr freue ich mich aber, dass Schüler*innen der 12. Klasse der Emder BBS I ein besonderes Projekt erarbeitet haben. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen haben sie im Geschichtsunterrichts ein bewegendes Video erstellt. Nachdrücklich und konstruktiv setzen sie sich mit der Erinnerungskultur, der immensen Bedeutung von Gedenken und dem Schicksal der Emder Familie ten Brink, auseinander. Hier der Link direkt zum Video.

 

Vor 25 Jahren hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag als Gedenktag gewählt. Auch in Emden gedenken wir seither am 27. Januar der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Tief bewegt erinnere ich mich an den letztjährigen Besuch von Arie Windmüller anlässlich des 100. Geburtstages von Max Windmüller und an das gemeinsame Gedenken mit Esther Bejarano und Albrecht Weinberg, die das KZ Auschwitz-Birkenau überlebten. Am 27. Januar 2020 hatte der beeindruckende Film "Eine Reise gegen das Vergessen" Premiere. Ein Dokumentarfilm der Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen II Emden gemeinsam mit Schüler*innen des Polytechnischen Liceum Lodz in Polen. Knapp 600 Zuschauende - die meisten Schüler*innen - waren in das Neue Theater gekommen, um gemeinsam der Opfer des Holocaust zu gedenken.
 
Den nationalsozialistischen Verbrechen fielen vor allem Jüdinnen und Juden zum Opfer, Juden aus Deutschland und aus vielen anderen Ländern Europas. Verfolgt und ermordet wurden aber auch politische Gegner, Menschen mit Behinderung, Zeugen Jehovas und Homosexuelle, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen sowie mehr als eine halbe Million Sinti und Roma. Es ist schmerzhaft an diese Verbrechen zu erinnern. Die Auseinandersetzung mit Auschwitz und dem Grauen der NS-Zeit bringt jeden und jede an Grenzen – denn sie übersteigt jedes Begreifen.
Doch es ist unsere Pflicht, uns gegen das Vergessen und für die Erinnerung einzusetzen. Mit diesem alljährlichen, bewussten Erinnern werfen wir nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern fassen auch die Gegenwart und die Zukunft ins Auge. Wir gedenken, erinnern und rütteln auf. »