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Affaire Eppmann: Das dicke Ende wird ganz sicher kommen

Ein Kommentar von Lukas Bakker

Emden/Aurich. Die Affaire Eppmann nimmt (noch) kein Ende. Und was man sicher heute schon sagen kann: Sie wird zum Schluss auch kein gutes Ende nehmen. Was bis zum finalen Desaster noch geschehen wird oder muss, bleibt abzuwarten.

 

Das Verhalten der Gesellschafter und des Aufsichtsrates sowie der Räte (dazu unten mehr) in den Causae Eppmann von „Nebentätigkeiten Mylius Consulting (siehe Foto und Link unten)“ bis „Impfdrängelei“ ist alles – nur eben nicht professionell.

 

Was wäre ein adäquates, professionelles Management solcher Vorkommnisse? Werfen wir einen Blick in größere Konzerne mit Tochtergesellschaften und wie dort solche Geschehnisse behandelt werden. Als ehemaliger Pressemann in leitender Funktion in einem 60.000 Mitarbeiter Konzern mit 50 Mrd. Euro Umsatz jährlich kann ich aus der Praxis berichten.

 

Entsprechende Maßnahmen sehen in der Regel wie folgt aus:

 

Unverzügliche Einbestellung des GF zum Gesellschaftervertreter oder Aufsichtsratsvorsitzenden zum Rapport. Das Zeitfenster wird an der Reisezeit zwischen Gesellschaftssitz und Konzernzentrale  bemessen.

 

Entgegennahme eines protokollierten ersten mündlichen Berichts zur Darstellung des Sachverhalts.

Anordnung zur Abgabe eines schriftlichen Berichts bis zum Vormittag des nächsten Tages.

Evtl. sofortige vorläufige Freistellung sowie Verbot, die Geschäftsräume der Gesellschaft zu betreten.

 

Parallel Information und Beauftragung der Konzern-Revision, den Vorgang zu untersuchen. Im Falle Eppmanns bei der Causa „Nebentätigkeiten Personalberatung“ hätte dies bedeutet, z.B. alle Sitzungs- und Besprechungstermine bei dem Personalberater u.a. mit den Reise-, Spesen- und Übernachtungsabrechnungen abzugleichen und zu überprüfen, ob z.B. unzulässige Abrechnungen erfolgt sind. Wer hat welche Geschäftsvorgänge mit welchem Kostenvolumen zwischen der Trägergesellschaft und dem Consuling Unternehmen angeordnet und durchgeführt, gab es entsprechende Abstimmungen oder Anweisungen, in die der GF involviert war und so weiter und so fort? 

 

Ähnliches gilt für die Causa „Impfdrängelei“. Wer hat wann welche Anordnungen zum Thema  getroffen, wer hat wann wen über die Möglichkeit einer „Impfdrängelei“ informiert etc?

 

Nun – die Causae Eppmann sind eben nicht so behandelt worden. In dieser Provinzposse fehlt u.U. vielen Beteiligten entweder die notwendige Erfahrung im Umgang mit solchen Vorkommnissen (und man hat sich auch offensichtlich nicht entsprechend beraten lassen) oder schlicht der Wille zur Aufklärung?

 

Grundsätzlich gilt, in solchen Situationen allen Beteiligten keine Zeit zu geben, ggf. Unterlagen zu verändern oder sich mit anderen Betroffenen zu verabreden und abzustimmen. Eine unterlassene schnelle und konsequente Freistellung inkl. der Sperre eines Homeoffice-Zugangs erschwert den Nachweis von Manipulation in jedem Fall.

 

Zumindest war es aber bei der Causa „Nebentätigkeit Eppmann“ interessant zu beobachten, wie sich die Mylius-Webseite des Personalberaters in den Tagen nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe stetig veränderte und der Name Eppmann nach und nach aus den Seiten verschwand. Angeblich - so hieß es damals - sei sein Verbleib auf den Seiten dort auf ein Missverständnis zurückzuführen. 

 

Das Projekt Zentralklinik – unabhängig von den Fragen nach Sinnhaftigkeit und Risiken des Projekts – hat bereits massive Imageschäden erlitten. Die Argumentation, es sei niemand so tief drin in dem Projekt wie Eppmann und deshalb sei er quasi unverzichtbar, lässt abenteuerliche Projektstrukturen vermuten: Auf das kommende dicke Ende der Causae Eppmann und des Projektes Zentralklinik darf man gespannt sein. Vielleicht ist auch wie bei der Wurst: Die hat zwei dicke Enden. Der Dumme wird einmal mehr der Bürger sein, der die Zeche - von einer etwaigen Abfindung des Gechäftsführers bis hin zu horrenden Bau- und Betriebskosten der Klinik - wird bezahlen müssen.

 

Die gestrigen Entscheidungen des Auricher Kreistages und des Rates der Stadt Emden zeigen den Riss, der sich durch das Verhalten aller  Beteiligten zieht. Die Auricher wollen Eppmann für den Untersuchungszeitraum beurlauben, die Emder CDU, SPD und FDP wollen ihn - im Gegensatz zu GfE und den Grünen - weiterwurschteln lassen. Das Schmankerl am Rande: FDP-Fraktionschef Erich Bolinius hat sich bei der Abstimmung enthalten. Oberbürgermeister Tim Kruithoff - er hatte sich mit Landrat Olaf Meinen für eine Freistellung Eppmanns ausgesprochen - ist man damit voll in den Rücken gefallen.

 

In der offiziellen Presseinformation heißt es: „…es wird deutlich, dass es nunmehr quer durch die Fraktionen den Wunsch gibt, die Ereignisse rund um die Impfungen in den Kliniken von neutraler Seite aufklären zu lassen. Es liegt im Interesse aller, die Untersuchung zügig durchzuführen.“  Die widerstreitenden Beschlüsse des Emder Rates und des Auricher Kreistages lassen dies wenig glaubhaft erscheinen. Und wie wird das erst einmal werden, wenn es künftig um weitere wichtige Beschlüsse zur Zentralklinik gehen wird. Geschlossenheit sieht anders aus.

 

Bericht im OFJ: Eppmann - Nebentätigkeiten Mylius Consulting